Archiv für den Autor: Claus

Lasst sie freie und starke Kinder werden!

In wenigen Tagen wird unser drittes Kind geboren. Ein Kind, das in eine Familie mit seinen Eltern, großen Geschwistern, Cousins und Cousinen, Omas, Opas, Onkels und Tanten und sogar Uromas geboren wird. Ein Kind, das in eine Welt kommt, von der viele Menschen sagen, dass sie aus den Fugen sei. Eine Welt, die mit der Digitalisierung und der globalen Vernetzung seit Jahren Veränderungsprozessen unterliegt, die unser Leben grundlegend verändern und die sich für viele Menschen wie die permanente Fahrt in einer Waschtrommel anfühlen. Alles ist in Bewegung, laufend wird jeder Lebensbereich durchgespült und nach einem kräftigen Schleudergang geht scheinbar alles von vorn los.

Wie schauen wir auf diese Welt? Wie nehmen wir sie auf? Und wie erklären wir sie unseren Kindern? Denen, die jetzt schon da sind und dem, auf das wir alle seit einigen Monaten mit viel Vorfreude warten? Weiterlesen

(M)Ein Stück Kleist

Als am Nikolaustag des vergangenen Jahres in der märkischen Oderzeitung zu lesen war, dass ein Brief-Fragment Heinrich von Kleists nach langer Zeit wieder aufgetaucht war, in Wien zum Verkauf stand und das Frankfurter Kleist-Museum eine Spendenaktion startete, um das gute Stück zu erwerben, war mein Interesse geweckt. Elektrisiert war ich kurz danach, als ich begriff, wie das Kleist-Museum – und allen voran die Direktorin Hannah Lotte Lund – die Spendenaktion aufgezogen hat.

Unter der Überschrift „Ein Stück Kleist“ konnten Spenderinnen und Spender die Patenschaft für ein Wort oder ein Satzzeichen des Fragments übernehmen und so ihren Teil dazu beitragen, dass dieses Bruchstück eines Briefes, den Heinrich von Kleist am 14. März 1803 von Leipzig an seine Schwester Ulrike von Kleist nach Frankfurt (Oder) geschrieben hatte, wieder zurück an die Oder kam. Was für eine grandiose Idee!

Ich konnte ein handschriftliches Wort Kleists zurück nach Frankfurt holen!

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Auf der Suche nach Identität – Oder Florida

Wenn ein zum Verleger und Mehr-Sonne-Aktivisten mutierter Hausbesetzer mit einem Nach-Wende-Oligarchen erst eine Partei und dann ein ganzes Rathaus übernehmen will, wähnt man sich in einem späten Werner-Herzog-Film und erwartet sekündlich den Auftritt des tobenden Klaus Kinski. Doch weit gefehlt. Der erste und sehr gelungene Roman von Christian Bangel mit Namen „Oder Florida“ spielt in Frankfurt an der Oder und kommt fast ohne extrovertierte Narzissten aus.

Christian Bangel, Jahrgang 1979, aufgewachsen in der Oderstadt und Journalist bei ZEITonline in Berlin, zeichnet mit seinem Roman ein ehrliches Bild Frankfurts in den späten 90er Jahren. Jedenfalls aus der Perspektive seines Protagonisten. Mathias Freier, von allen – außer seiner Mutter – nur Freier genannt, hat sein Abi in der Tasche und mit seinem Kumpel Fliege in einem günstigen Moment und mit einer gehörigen Portion Kreativität ein regelmäßig erscheinendes Magazin namens „0335“ gegründet. Kreativ, weil Fliege es irgendwie geschafft hat,  das Bundesamt für den Zivildienst davon zu überzeugen, dass auch das Herausgeben eines Jugendmagazins ein geeigneter Wehrersatzdienst sein könnte.

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Neunzehn Frankfurter Thesen

Neunzehn Frankfurter Thesen anlässlich des Theaterstücks „Wetterleuchten“ vom Theater Frankfurt

von

Claus Junghanns (CDU)
Alena Karaschinski (Bündnis 90/Die Grünen)
René Wilke (Die Linke)

Frankfurt (Oder), 25. April 2017

Vorwort: In fünf Abenden haben wir, ausgehend von unseren Erfahrungen, Haltungen und Sichtweisen gemeinsame Thesen entwickelt. Anlass war die Anfrage vom Regisseur des Theaters Frankfurt, Frank Radüg. Er bat uns, angelehnt an die Gedanken Luthers zu den Themen seiner Zeit, um gemeinsame Thesen zur heutigen Zeit. Diese wird er zur Aufführung des Stücks „Wetterleuchten“ nutzen.

Entstanden sind neunzehn Frankfurter Thesen: zu unserer Stadt, zu Politik und zu unserer Sicht auf die Dinge.

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Wanderung im Schlaubetal #darumBrandenburg

Vor einiger Zeit habe ich einen Urlaubstag genutzt, um das südlich von Frankfurt (Oder) liegende Schlaubetal zu erkunden. Das Schlaubetal und der dazugehörige Naturpark verdanken ihren Namen der Schlaube, die sich auf fast 30 km Länge in einem Wechsel aus Teichen, Seen und Schluchten durch Ostbrandenburg schlängelt.

IMG_20170426_153753_058Das Schlaubetal ist bereits seit vielen Jahren als Naturschutzgebiet und Wanderparadies bekannt und ich habe mir für eine rund dreieinhalbstündige Tour den nördlichen Abschnitt vorgenommen. Von der Ragower Mühle aus bin ich auf dem Schlaubewanderweg Richtung Süden marschiert. Ruhiger Wald, kleine Lichtungen und Sümpfe prägen hier die Landschaft, während die Schlaube leise und oft versteckt im Dickicht gen Norden plätschert.

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Warum Kleist nicht rosa trägt

Zum Weltfrauentag haben die Grünen unter dem Motto „Männer haben Denkmäler – Frauen haben Zukunft“ zahlreiche Statuen berühmter Persönlichkeiten in ganz Deutschland mit einer sogenannten Pussy-Hat-Mütze verziert, um auf die bestehende Ungleichheit von Frauen und Männern hinzuweisen. Dass die Grünen dafür historische Persönlichkeiten mit ihren Protestmützen schmückten, verstehe ich mal als augenzwinkerndes Zugeständnis, dass es im Jahre 2017 in Deutschland schon ganz gut um die Gleichstellung steht. Aber das nur am Rande.

In meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) trafen sich die örtlichen Grünen am Frankfurter Kleist-Denkmal. Leider gab es im anschließenden Artikel im Lokalteil der Märkischen Oderzeitung ein kleines Missverständnis, das ich gern gerade rücken möchte. Denn auch wenn das Denkmal unserem wohl berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet ist und seit 107 Jahren seinen Namen trägt, ist der leicht bekleidete in Bronze gegossene Herr, der am vergangenen Mittwoch im Gertraudenpark mit einer farbenfrohen und politisch motivierten Wollmütze versehen wurde, eben keine lebensechte Nachbildung des in Frankfurt (Oder) geborenen Dichters Heinrich von Kleist.

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Warum Brandenburg? #darumBrandenburg!

Ich gebe zu, meine Zuneigung zu meiner Brandenburger Heimat hat manchmal sehr spezielle Züge. Ausgerüstet mit meinem Smartphone und immer hungrig auf die kleinen Besonderheiten zwischen Oder und Elbe, zwischen der Lausitz und dem Ruppiner Land, streife ich durch meine Heimat und sauge Vieles auf, was dem Durchreisenden meist verborgen bleibt oder bewusst ignoriert wird, um es dann bei Facebook, Twitter und Instagram unter dem Hashtag #darumBrandenburg zu veröffentlichen.

Warum mache ich das?

Eigentlich ist es ganz einfach: Ich möchte meine Begeisterung teilen. Denn Brandenburg ist ein wunderschönes Eckchen Deutschland. Oft provinziell, gern etwas karg aber immer einladend, wenn man bereit ist, den Blick im richtigen Moment zu weiten und das Besondere zwischen dem vielen Alltäglichen zu entdecken. Das ist nicht immer leicht und auch ich musste diese Kulturtechnik des genauen Hinschauens bei größtmöglichem Weitblick – ja, so kompliziert ist es – erst lernen.

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Zeiten des Umbruchs – Ein Liederabend in Frankfurt (Oder)

Die Bühne ist schlicht gehalten. In der Mitte befindet sich ein einfacher Laufsteg, gezimmert aus Paletten und simplen Platten aus dem Baumarkt. Rechts steht ein altes Radio auf einem runden Tisch und wird von einer Lichtsäule gehalten. Links steht ein Klavier, davor der Hocker. Fertig.

Das „Moderne Theater Oderland“ hat zur musikalischen Zeitreise geladen. Es geht knapp 100 Jahre zurück. In die 20er und 30er des 20. Jahrhunderts. In die Zeiten überschwänglichen Genusses und tiefer politischer Stürze.

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Reichstag Schwarz-Rot-Gold

Lasst uns die Freiheit feiern!

Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, war das Thema Freiheit in Deutschland plötzlich sehr konkret. Die eine Hälfte der Deutschen konnte sie zum ersten Mal erleben und die Anderen merkten, dass es einen Wert gibt, den man zwar alltäglich erleben und genießen kann – selbstverständlich ist er aber nicht. Im Herbst 1989 konnte man willkürlich Menschen auf der Straße ansprechen und bekam einen Eindruck davon, was Freiheit bedeuten kann.

Heute führen wir keine Freiheitsdebatten mehr. Jedenfalls keine, die eine breite Öffentlichkeit interessieren. Es geht nicht mehr um das Reisen, die Äußerung der eigenen Meinung oder die Möglichkeit, diese Meinung öffentlich zu verbreiten. All das scheint heute selbstverständlich zu sein. Spanien und England sind nur einen Billig-Flug entfernt, an Küchentischen, in der Mittagspause und auf Schulhöfen wird gesagt, was einem in den Sinn kommt und wer will, kann seiner Meinung Flügel schenken und sie so oft er will im Internet veröffentlichen.

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Logo "Beef Buddies"

Mut zur Schwarte – äh – Sparte! Die „Beef Buddies“ bei ZDFneo

Drei Männer, drei Gerichte, viel Gelaber und fertig ist eine dreiviertel Stunde feinste TV-Unterhaltung. Wenn Tarik, Chakall und Frank die Messer wetzen, das grobe Salz auspacken und den edlen Kugelgrill anschmeißen, bleibt kein Zahn trocken. Außer natürlich bei Vegetariern…

Mit der Koch-Reise-Flachwitz-Sendung namens „Beef Budies“ ist ZDFneo ein echter Hingucker gelungen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Zuschauen macht Spaß, wenn riesige Entrecotes im Smoker garen, mit schnellem Schnitt mal eben ein opulenter Wild-Braten gezaubert wird oder auch mit viel Liebe ein Fisch zerlegt wird.

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