Mein quattro für die Füße

“Ich versinke im weichen Schnee. Über meiner Schulter schlägt das weiße Pulver zusammen und umschließt mich fast völlig. Mein Partner fliegt neben mir vorbei, während das gesamte Gewicht über mich drüber rollt. Ich verbeiße mich im kalten Untergrund und baue den maximal möglichen Druck auf, um stabil aus dieser Lage raus zu kommen. Ich starte, fliege blitzschnell an meinem Partner vorbei, der gerade im Schnee versunken ist, und tauche wieder ein.”

Ein Tag im Leben eines Schuhs, wie es ihn dieser Tage millionenfach gibt. Aber dies ist keine Promo für einen bayrischen Automobilhersteller, mit einigen Ringen im Wappen. Auch soll hier keine Lanze für einen Schuhhersteller gebrochen werden, dessen Marke verdächtig nach einem Wiener Delikatesskaufhaus klingt. Hier ergeht jetzt eine Hymne an einen guten Schuh. Einen Schuh, der diesem Wetter einen Großteil seines Schreckens nimmt. Der Füße warm hält, einen festen Tritt sichert und selbst bei matschigem Stadtwinter außen nass und innen trocken ist. Solches Schuhwerk kann echte Freude machen. Ich springe seit einem Tag mit neuen Schuhen durch den Winter und freue mich wie blöd, dass ich gestern kurz vor Schluss das Sonntagsshopping doch noch genutzt habe. Mehr oder minder kurz entschlossen bin ich in einen mir bekannten Outdoor-Laden reinspaziert, habe mich vor die scheunenähnliche Schuhwand gestellt (Warum muss ich mitten in Berlin Angst haben, dass ich mir beim Schuhe kaufen einen riesengroßen Splitter einfange?), auf einen Schuh gezeigt und dem netten Verkäufer deutlich gemacht, dass es dieser sein soll. Er fand es offensichtlich gut, dass kurz vor Dienstschluss noch einer kommt, der weiß was er will, nicht lange quatscht und auch nur nach Hause muss.

Also trafen sich unsere Interessen. Er machte ein gutes und unerwartetes Geschäft zu später Stunde und ich bekam endlich die Schuhe, die ich eigentlich seit Wochen brauche. Stabil, bequem und wasserdicht. Und mit einer Socke mehr – sogar warm. Jetzt, am Tag eins nach dem Kauf, habe ich das Gefühl diese Leisetreter (kein Scherz) schon seit Ewigkeiten mein Eigen zu nennen. Sie passen einfach und ich laufe jetzt wieder absichtlich neben dem geräumten Streifen auf innerstädtischen Gehwegen. Das habe ich zuletzt als kleiner Junge im Skianzug gemacht. Jetzt springe ich gleich wieder los und freue mich wie blöde auf den verschneiten Weg zur S-Bahn. Wenn diese dann mal wieder 20 Minuten auf sich warten lässt, werde ich genüsslich im Schneehaufen rumstapfen, während irgend ein halb-hipper Style-Guru neben mir in seinen Chucks friert.