Medienversagen in der Zeitenwende

Dieser Tage gibt es ein Onlinemedium, dass sich vor Zulauf gar nicht retten kann. Die englische Version von AL JAZEERA. Den arabischen Sender kennt der durchschnittliche Mitteleuropäer bisher nur als Transmissionsstelle für Bekennervideos aus allerlei vorderasiatischen Konflikten.

Heute ist der Sender aber unser Auge in die arabische Welt, während sich unsere Medien zurück halten. Wir blicken in eine Welt, die sich offensichtlich im Umbruch befindet. Tunesien strampelt sich von einer Diktatur frei, Ägypten erlebt die Vorboten großer Veränderungen und der gesamte arabische Raum stellt sich gerade die Frage, wohin der zukünftige Weg geht.

Und was sieht die deutsche Fernsehnation?

Das Dschungelcamp (Spiegel-TV) und die Diskussion um den Einfluss der BILD auf den Verteidigungsminister (Anne Will). Lustigerweise sitzt bei Frau Will nicht mal der Mann, um den es geht. Es sitzen Informationskonsumenten herum und destillieren vermeintliche Neuigkeiten. Da hat sich RTL wenigsten direkt mit Rainer Langhans beschäftigt…

Und was bleibt?

In der arabischen Welt wird gerade Geschichte gemacht. Das Tempo der Entwicklung ist beeindruckend aber auch verstörend. Wir Deutschen sollten genau für so etwas sensibel sein und mit einem Seitenblick auf unsere Geschichte sehr genau beobachten, was in unseren Urlaubsländern geschieht. Denn eines Tages könnten wir vor der Notwendigkeit einer Bewertung stehen, mit der dann unsere Position zur veränderten arabischen Welt definiert wird.

Und dann sollte niemand die Chance zu der Aussage bekommen: Davon habe ich noch nie gehört und ich verstehe nicht, was da los ist.

Denn dann könnten wir nicht nur einen weiteren Meilenstein der Geschichte verpassen, sondern von dessen Auswirkungen eines Tages überholt werden. Was wird es schließlich bedeuten, wenn Millionen Muslime zu mündigen Demokraten werden, die ihre Bürgerrechte definieren und einfordern? Ich weiß es nicht.

Immerhin ist SPON mittlerweile in der Jetzt-Zeit angekommen. Mal sehen, wann es in der ARD eine Dauerberichterstattung aus dem Land der Pharaonen gibt.

Ungewöhnliche Wege verändern das Denken

So tiefsinnig müssen die Gedanken gar nicht sein. Kleine Erlebnisse machen das Leben auch schön.

Wenn der knuffige rote Traktor bei -5°C plötzlich in der Ostsee steht, holt der durchschnittliche Ein-Tages-Küsten-Besucher direkt die Kamera oder das Handy aus der Tasche. Ich auch. So ein Bild gibt dem Kurztrip in die winterliche Stille von einem Moment auf den Anderen etwas ungewöhnliches. Spannendes. Vielleicht sogar etwas Erzählbares.

Eigentlich holt der Schiffer nur sein Boot aus dem Wasser. Aber gut. Profanes wird halt nicht festgehalten…

Was ist Netzpolitik?

Es ist ein spannendes Thema aber auch vermintes Gebiet. Denn die Frage: “Was ist Netzpolitik?” hat das Potential, mit genervtem Kopfschütteln quittiert zu werden oder aber ein Feuerwerk an Antworten abzubekommen. Googelt man die Frage, gibt es erstaunlich wenige Suchergebnisse. Und egal wie man „Netzpolitik“ definiert, Einigkeit wird vermutlich darüber herrschen, dass sich diese genau wir ihr Medium ständig verändert.

Wo sind wir also heute? Ist Netzpolitik das, was Markus Beckedahl und seine Mitstreiter bei netzpolitik.org betreiben? Oder ist es vielmehr das, was ein gutes Dutzend Netzaktivisten zurzeit sehr perfektionieren? Das Parforceritt von einer Dialog-Veranstaltung zur nächsten, die Teilnahme an Konsultationen, Kommissionen und Foren. Einige wissen wahrscheinlich gar nicht mehr, ob sie heute oder morgen ins BMI müssen, zum BMFSFJ eingeladen sind oder im BMELV über Schreibwaren diskutieren können. Es ist wahrscheinlich gerade sogar ziemlich anstrengend, Netzbürger zu sein. Lobbyist der Comunity, Fürsprecher der digitalen Freiheit oder sogar Vorsitzender des Verbandes der Computerspieler.

Ich denke, für den Begriff „Netzpolitik“ gibt es gerade zwei Bedeutungsströmungen. Die erste ist dem klassischen Lobbyismus wahrscheinlich näher als es ihren Vertretern lieb ist. Es geht um die Philosophie des Netzes. Netzneutralität, Open Data, Open Source, Open Gov und andere idealtypische Umgangsweisen mit Informationen, Daten und Verbindungen. Es geht in einer gewissen Art um eine reine Lehre. Nämlich die, dass die Grundidee des Internets sehr freiheitlich ist. Wenige Regeln, viel Eigenverantwortung und ein kulturelles Element.

Die zweite Bedeutung von „Netzpolitik“ geht meines Erachtens davon aus, dass sich die Politik im Netz eine neue kommunikative Grundlage gibt. Alle Themen und Bereiche können netzpolitisch diskutiert werden. Partizipation ist das Zauberwort. Parteien gibt es hier nicht. Nur Themen, Meinungen, Meinungsbildung und digitale Mehrheiten. Beispiele dafür sind die Kampagne für Joachim Gauck, in der aus den Schnellschüssen einiger engagierter Politinteressierter eine Bewegung im Netz wurde, und die mittlerweile so genannten Twitter-Revolutionen in manchen autoritären Staaten.

Mit einer Flasche Rotwein und einigen Netzaktivisten am Tisch oder auf der Timeline würde man wahrscheinlich noch viele andere Bedeutungen ausfindig machen, doch hier soll ja nichts vollständig sein. Vielleicht entspinnt sich in nicht allzu ferner Zukunft eine Diskussion zu diesem Thema. Ein Ergebnis könnte dann sein, dass der Begriff „Netzpolitik“ zumindest etwas bewusster genutzt würde.

Vielleicht ist aber auch das netz politik bier berlin heute schon zu neuen Erkenntnissen gelangt. Das erfährt man am schnellsten mit dem Hashtag #npbb

4 Meter unter Normalnull – Das Oderbruch

Es geht bergab, wenn man ins Oderbruch will. Geografisch bedingt. Weit runter. Bis unter den Meeresspiegel. Die Ortungsanzeige des Navis fällt bis auf -4 Meter. Ein verstörender Anblick.

Angesichts der aktuellen Hochwasserlage an der Oder gewinnt das nicht nur an Reiz. Es ist fast etwas bedrohlich. Ganz besonders, wenn man die Ebene durchfahren hat und am Deich ankommt, hinaufklettert und sieht, dass das Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses einige Meter höher steht als das Hinterland.

Trotzdem ist das Bruch immer eine Reise wert. Und wenn es nur ein Tagesausflug ist. Das Land ist so flach, dass man heute schon sieht, wer morgen zu Besuch kommt (Sorry, ein platter Witz…).  Herrliche kleine Dörfer und eine Landschaft, in der man sehr gut die Seele baumeln lassen kann. Also: Hinfahren!