Auf der Suche nach Identität – Oder Florida

Wenn ein zum Verleger und Mehr-Sonne-Aktivisten mutierter Hausbesetzer mit einem Nach-Wende-Oligarchen erst eine Partei und dann ein ganzes Rathaus übernehmen will, wähnt man sich in einem späten Werner-Herzog-Film und erwartet sekündlich den Auftritt des tobenden Klaus Kinski. Doch weit gefehlt. Der erste und sehr gelungene Roman von Christian Bangel mit Namen „Oder Florida“ spielt in Frankfurt an der Oder und kommt fast ohne extrovertierte Narzissten aus.

20171001_111205Christian Bangel, Jahrgang 1979, aufgewachsen in der Oderstadt und Journalist bei ZEITonline in Berlin, zeichnet mit seinem Roman ein ehrliches Bild Frankfurts in den späten 90er Jahren. Jedenfalls aus der Perspektive seines Protagonisten. Mathias Freier, von allen – außer seiner Mutter – nur Freier genannt, hat sein Abi in der Tasche und mit seinem Kumpel Fliege in einem günstigen Moment und mit einer gehörigen Portion Kreativität ein regelmäßig erscheinendes Magazin namens „0335“ gegründet. Kreativ, weil Fliege es irgendwie geschafft hat,  das Bundesamt für den Zivildienst davon zu überzeugen, dass auch das Herausgeben eines Jugendmagazins ein geeigneter Wehrersatzdienst sein könnte.

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Neunzehn Frankfurter Thesen

Neunzehn Frankfurter Thesen anlässlich des Theaterstücks „Wetterleuchten“ vom Theater Frankfurt

von

Claus Junghanns (CDU)
Alena Karaschinski (Bündnis 90/Die Grünen)
René Wilke (Die Linke)

Frankfurt (Oder), 25. April 2017

Stadtansicht Frankfurt (Oder)

Vorwort: In fünf Abenden haben wir, ausgehend von unseren Erfahrungen, Haltungen und Sichtweisen gemeinsame Thesen entwickelt. Anlass war die Anfrage vom Regisseur des Theaters Frankfurt, Frank Radüg. Er bat uns, angelehnt an die Gedanken Luthers zu den Themen seiner Zeit, um gemeinsame Thesen zur heutigen Zeit. Diese wird er zur Aufführung des Stücks „Wetterleuchten“ nutzen.

Entstanden sind neunzehn Frankfurter Thesen: zu unserer Stadt, zu Politik und zu unserer Sicht auf die Dinge.

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Warum Kleist nicht rosa trägt

Zum Weltfrauentag haben die Grünen unter dem Motto „Männer haben Denkmäler – Frauen haben Zukunft“ zahlreiche Statuen berühmter Persönlichkeiten in ganz Deutschland mit einer sogenannten Pussy-Hat-Mütze verziert, um auf die bestehende Ungleichheit von Frauen und Männern hinzuweisen. Dass die Grünen dafür historische Persönlichkeiten mit ihren Protestmützen schmückten, verstehe ich mal als augenzwinkerndes Zugeständnis, dass es im Jahre 2017 in Deutschland schon ganz gut um die Gleichstellung steht. Aber das nur am Rande.

Kleist-Denkmal in Frankfurt (Oder)

In meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) trafen sich die örtlichen Grünen am Frankfurter Kleist-Denkmal. Leider gab es im anschließenden Artikel im Lokalteil der Märkischen Oderzeitung ein kleines Missverständnis, das ich gern gerade rücken möchte. Denn auch wenn das Denkmal unserem wohl berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet ist und seit 107 Jahren seinen Namen trägt, ist der leicht bekleidete in Bronze gegossene Herr, der am vergangenen Mittwoch im Gertraudenpark mit einer farbenfrohen und politisch motivierten Wollmütze versehen wurde, eben keine lebensechte Nachbildung des in Frankfurt (Oder) geborenen Dichters Heinrich von Kleist.

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Zeiten des Umbruchs – Ein Liederabend in Frankfurt (Oder)

Die Bühne ist schlicht gehalten. In der Mitte befindet sich ein einfacher Laufsteg, gezimmert aus Paletten und simplen Platten aus dem Baumarkt. Rechts steht ein altes Radio auf einem runden Tisch und wird von einer Lichtsäule gehalten. Links steht ein Klavier, davor der Hocker. Fertig.

Das „Moderne Theater Oderland“ hat zur musikalischen Zeitreise geladen. Es geht knapp 100 Jahre zurück. In die 20er und 30er des 20. Jahrhunderts. In die Zeiten überschwänglichen Genusses und tiefer politischer Stürze.

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Die Menschen hinter der Liebe – UNITHEA #17

Am 2. Juni ist es wieder soweit. Das deutsch-polnische Theater-Festival UNITHEA startet zum 17. Mal als Kooperation von Studenten der Europa-Universität-Viadrina mit dem Kleist-Forum in Frankfurt (Oder). Das Motto in diesem Jahr ist „Liebende“ und damit ein konsequenter Blick auf die „Akteure hinter der Liebe“, wie eine der Organisatorinnen sagte.

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