Wanderung im Schlaubetal #darumBrandenburg

Vor einiger Zeit habe ich einen Urlaubstag genutzt, um das südlich von Frankfurt (Oder) liegende Schlaubetal zu erkunden. Das Schlaubetal und der dazugehörige Naturpark verdanken ihren Namen der Schlaube, die sich auf fast 30 km Länge in einem Wechsel aus Teichen, Seen und Schluchten durch Ostbrandenburg schlängelt.

IMG_20170426_153753_058Das Schlaubetal ist bereits seit vielen Jahren als Naturschutzgebiet und Wanderparadies bekannt und ich habe mir für eine rund dreieinhalbstündige Tour den nördlichen Abschnitt vorgenommen. Von der Ragower Mühle aus bin ich auf dem Schlaubewanderweg Richtung Süden marschiert. Ruhiger Wald, kleine Lichtungen und Sümpfe prägen hier die Landschaft, während die Schlaube leise und oft versteckt im Dickicht gen Norden plätschert.

Der Wanderweg ist sehr unterschiedlich ausgebaut und befestigt. Oft ist er nur so breit, das ein Wanderer entlanggehen kann. Festes Schuhwerk ist auf jeden Fall zu empfehlen, vor allem, wenn man zwischendurch immer mal die kleinen versteckten Orte am Wegesrand entdecken möchte. Wie zum Beispiel eine kleine Stromschnelle, die man minutenlang durch den Wald hört, bevor man sie endlich durch das Unterholz entdeckt.

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Um die Einsamkeit richtig genießen zu können, muss man wahrscheinlich wie ich an einem Wochentag vormittags zur Wanderung aufbrechen. Der Tag Urlaub ist aber auch sehr gut investiert. Knapp eine Stunde bin ich einsam und allein meines Weges gegangen, bis mich im kleinen Dorf Kupferhammer zwei Handwerker als „Wandersmann“ erkannten und mir einen guten Weg wünschten.

Hier im Ort wechselt der Schlaubewanderweg von der westlichen auf die östliche Seite des Flüsschens. Also wechselte ich mit und setzte meinen Weg – nachdem ich ein Restaurant passiert habe, das bereits mit frischen Waffeln warb – ab Kupferhammer auf einem deutlich besser ausgebauten Weg fort. Der Weg war nicht nur breiter und besser befestigt, er wurde auch zum einladenden Uferweg einer Schlaube, die in diesem Abschnitt von einem sehr breiten aber noch recht verwilderten Flusslauf sogar zum einen oder anderen See avancierte.

Vorbei am Langen See und am – kein Scherz – Großen Schinkensee erreichte ich nach etwas mehr als eineinhalb Stunden das Forsthaus Siehdichum, das auf einer Anhöhe über dem Fluss thront und wahrscheinlich die eine oder andere Geschichte zu erzählen weiß. Hier rund um das Forsthaus traf ich auch auf die ersten Wanderer, die sich wie ich auf den Weg gemacht hatten, um die noch spärlich zwischen den Baumwipfeln hindurchfallenden Sonnenstrahlen aufzusammeln.

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Vom Forsthaus trat ich – nun wieder auf der Westseite der Schlaube – meinen Rückweg an. Zuerst wanderte ich direkt am Großen Schinkensee auf einem sehr verwilderten Uferweg, bevor ich in den Wald abbog und auf einem ordentlichen Forstweg Strecke machte. Nachdem ich Kupferhammer westlich umwandert hatte, bog ich wieder Richtung Schlaube ab und suchte einen Weg zurück ins Tal. Was sich zwar als schwieriger als erwartet herausstellte, aber mit einigen beherzten Sprüngen und dank festem Schuhwerk doch gelang.

Nach gut dreieinhalb Stunden kam ich wieder bei der Ragower Mühle an. Da ich unterwegs keine Rast gemacht hatte, lockte mich die zünftig anmutende Karte in das historische Gebäude, neben dem wie eh und je das Mühlrad seinen Dienst mit der Kraft der Schlaube verrichtete. Der Gastraum war dank einer Seniorengruppe gut gefüllt und die Wirtsleute Ingrid und Baldur Börner im Hochbetrieb, weil die Damen und Herren gerade serviert bekamen.

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Trotz des offensichtlichen Stresses ließen mich weder der Wirt noch die Wirtin links liegen. Ich bekam direkt eine Karte, ebenso flott ein Getränk und konnte die auf der Karte angepriesenen Speisen direkt einer optischen Prüfung unterziehen, da diese auf dem Weg zu den Senioren an mir vorbeigetragen wurden. Nach dieser Leistungsschau des Küchenchefs entschied ich mich für die hausgemachten Rinderrouladen mit Apfelrotkohl und Salzkartoffeln.

Nachdem ich die Bestellung bereits aufgegeben hatte und mich meiner Lektüre zuwand, streckte die Wirtin nochmal den Kopf aus der Küche und fragte brandenburgisch direkt, ob ich denn vielleicht lieber Klöße zur Roulade hätte. Was für eine Frage! Natürlich! Und schwupps bekam ich Klöße zur Roulade. Mein thüringer Herz hüpfte.

Wenige Minuten später stand auch schon die üppige Portion vor mir und ich konnte deftige Hausmannskost genießen, wie man sie sich nach einer Wanderung nur wünschen kann. Als dann noch die Hauskatze durch die Türe geschlichen kam, um die Füße der Gäste schlenderte und sich dann in freudiger Erwartung eines Leckerbissens mit großen Augen neben meinem Tisch platzierte, war die Idylle perfekt.

Diese Wanderung durch einen nördlichen Teil des Schlaubetals mit anschließendem Mittagessen in der Ragower Mühle kann ich nur empfehlen. Wer vier bis fünf Stunden Zeit hat, Natur sucht und gutes und bodenständiges Essen schätzt, ist hier sehr gut aufgehoben. Irgendwann werde ich mir auch noch den südlichen Teil des Schlaubetals erwandern und wenn ich mein Notizbuch dabei habe, auch von dort wieder berichten.

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