Wandel in grün

Sie haben das Fass aufgemacht. Die Grünen sind über Ihren Schatten gesprungen und haben ihr Spitzenduo für die Bundestagswahl 2013 mit einer Urwahl ermittelt. Dieses Verfahren ist in unserer Parteienlandschaft leider noch viel zu ungewöhnlich und allein deshalb gebührt der Partei tiefster Respekt und Anerkennung. Nun wurde ausgezählt. Und was dabei herauskam, kann man schon getrost als grüne Bombe bezeichnen.

Grüne Bürgerlichkeit - Eine Adaption des Logos der Partei "Die Grünen" Weiterlesen

Die Politik braucht eine neue Kritikkultur.

Der Sommer 2011 wird uns wahrscheinlich noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben. Denn selten zuvor wurde bei fast allen im Bundestag vertretenen Parteien so grundsätzlich diskutiert wie in diesen sonnenlosen Tagen. Und die Diskussionen sind noch lange nicht vorbei.

Die FDP hat sich zuerst personell komplett neu aufgestellt und arbeitet nun intensiv an ihrem Profil. Viele Grüne freuen sich landauf landab für ihren Ministerpräsidenten im Ländle, schlagen aber gerade auch sehr brutal im politischen Alltag auf. Die SPD gibt sich scheuklappenfrei der Frage hin „Was ist sozialdemokratisch?“ und in der Union wird offen und sehr deutlich über das diskutiert, was die letzte große Partei im Grunde ausmacht.

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Wechseljahre der deutschen Parteien

Der politische interessierte Netzbürger schrammt dieser Tag immer wieder an einer Aussage vorbei: Das ist sozialdemokratisch! Initiiert wurde dieses durchaus ergebnisorientierte Projekt von Mathias Richel und Dennis Morhardt.

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Grüne Luftblase?!

Angesichts des aktuellen Bundestrends von Forsa reiben sich in Berlin viele die Augen. Die Onlinemedien ringen um eine schlüssige Bewertung und versuchen immer mehr, als Begründung für diesen Umfrage-Erdrutsch die Debatte zur Atomernergie auszusparen.

Doch damit konzentriert man sich meiner Meinung schon wieder zu sehr auf das “warum” und schaut entgeistert nach hinten. Viel spannender ist die Frage: “Und nun?”

Das mal weiter gesponnen: Wird die nächste GROßE Koalition aus CDU und GRÜNEN geschmiedet? Kommt die Partei und ganz besonders das Führungspersonal mit diesem Druck, der potentiellen Verantwortung klar? Wollen die GRÜNEN unter diesen Voraussetzungen mit Claudia Roth oder Renate Künast in die nächste Bundestagswahl ziehen? Da sollte man mal drüber nachdenken.

Oder ist das nur heiße Demoskopie-Luft?

Bei all diesen Fragen wird die politische Glaskugel natürlich sehr beansprucht. Doch spannend und unterhaltend sind die Fragen allemal.

Die Zeitgeist-Parteien

Am Anfang eine Frage: Was haben die Grünen und die Tour de France gemeinsam?

Nichts ist neu bei den Grünen. Kein radikales Grundsatzprogramm, keine wilden Thesen, ja nicht mal mehr ein Alleinstellungsmerkmal bleibt Ihnen nach den vergangenen Wochen. Doch trotzdem schweben sie gefühlt über den politischen Ebenen.

Ein fulminanter Erfolg in Baden-Württemberg steht auf ihrer Bilanz, demnächst ein grüner Ministerpräsident und ganz vorn eine Parteispitze, der schon vor Wochen die Superlative ausgegangen sind, mit denen sich beschreiben ließe, was da gerade passiert.

Woran erinnern diese Grünen im Höhenrausch? Genau. Die FDP im Höhenrausch.

Doch lag das damals an der FDP und liegt der aktuelle Höhenflug an den Grünen. Ich denke nicht. Vielmehr ist der  Zeitgeist nun bei den grünen Ideen angekommen und gerade dabei die Grünen rechts und links zu überholen. Doch dieser Zeitgeist ist wie das Wohlwollen der Medien. Man wächst schnell damit aber man stürzt mit diesem Zeitgeist und den Medien als Brandbeschleuniger genauso umgehend wieder ab, sobald man einen Fehler nur gemacht haben könnte.

So war es bei der FDP, dem bundespolitischen Intermezzo von Karl-Theodor zu Guttenberg und so wird es auch den Grünen gehen. Schauen wir mal, wo sie in 5 Jahren stehen. In der Bundesregierung oder auf einem selbstzerfleischenden Bundeskongress, bei dem Fundis und Realos wie früher auf einander treffen. Laut und deutlich und schlimmstenfalls mit Farbbeuteln.

Doch dieser Ritt auf der Welle des Zeitgeistes ist kein einzig politisches Phänomen. Auch im Sport gibt es gute Beispiele für dieses Muster. Man erinnere sich nur an die Tour de France. Bis zum Sieg von Jan Ullrich in den 90ern schaute nur eine Handvoll Deutscher alljährlich die große Schleife. Plötzlich war es das sportliche Highlight des Sommers und wurde von ARD und ZDF ins unermessliche gehypt.

Dann kam das Doping und auf einmal war alles aus. Die gesamte Radsport-Medien-Industrie brach zusammen und begrub die frühen und immer noch bestehenden Radsportfans unter sich. Heute muss man sich rechtfertigen, wenn man immer noch im Sommer vor dem Fernseher sitzt und die große “Tour de Doping” verfolgt. Da steht man plötzlich auf einer gesellschaftlichen Anerkennungsstufe mit KT-Fans und FDP-Mitgliedern. Schade eigentlich…