#BlogKritik: Mercedes Benz Passion

Kategorie(n): Automobil, Technik, Wirtschaft, Autoblog

Ich bin ganz ehrlich: Wenn „Passion“ und „Mercedes Benz“ in einem Blogtitel auftauchen, bin ich schon mal grundsätzlich eher zu- als abgeneigt. Trotz meiner jungen Jahre und obwohl ich mir in naher Zukunft kein Fahrzeug mit dem Stern auf der Haube leisten werde, fasziniert mich diese Marke.Wir hatten in der Familie und im Freundeskreis schon einige Baureihen in Gebrauch und mir fallen spontan 5 Geschichten ein, die auch hier gut auf den Blog passen würden.

Screenshot Mercedes Benz Passion Blog


Doch es ist nicht nur so ein klischeebehaftetes „Jungs-Ding“, das meine Augen hier glänzen lässt. Mit dem Mercedes-Benz-Passion-Blog liefert der Stuttgarter Autobauer auch ein Meisterstück an gelungener Unternehmenskommunikation ab. Der Blog kann – meiner Meinung nach – fast als Paradebeispiel einer funktionierenden Social-Media-Strategie beschrieben werden. Nachahmung empfohlen!

Die Autoren geben Einblick in das Innenleben des Konzerns, stellen neue Modelle vor, liefern reichlich Bildmaterial und schauen auch immer wieder in die Automobile Zeit-Geschichte. Langeweile kommt da eher nicht auf. Ob aber auch Quartalsbilanzen oder eine Erweiterung der Produktion in Rumänien auf solch einen Blog gehören, möchte ich bezweifeln. Dass gute Zahlen beim geneigten Anleger auch zu gewissen leidenschaftlichen Anwandlungen führen können mag sein. Automobile „Passion“ wie ich sie verstehe, entfalten Sie aber nicht.

Dann schon eher ein Satz Bilder der neuen S-Klasse im Erlkönig-Gewand oder auch Umfassendes zur neusten Generation Unimog. Da schlägt das Herz des Enthusiasten doch höher! In die Reihe „Hebebühnengespräch“ gehört auch der ausführliche Bericht zum neuen Surround-Soundsystem im frisch vorgestellten CLA. Alles Sachen, die man brauchen kann, wenn sich bei der nächsten Familienfeier die Männer allen Alters nach dem Kaffee zu tiefgreifenden Benzingesprächen zurückziehen.

Einen Nachteil hat der Blog aber: Die sprachliche Präsentation.

Wenn es um Leidenschaft geht, um Emotionen und Begeisterung, dann muss diese auch in der Sprache rüber kommen. Zu sehr klingen die Satz-Blöcke nach PR-deutsch und Technik-Latein. Kaum eine Metapher, selten eine sprachliche Emotion oder eine nette Nebenepisode. Es kommt einfach kein Benzin-Gespräch-Feeling auf.

Ich bin geneigt, den Machern zuzurufen: Mehr BLOG bitte!

Soll heißen: Mehr Ich-Perspektive. Mehr Lockerheit im Satzbau. Mehr Witz und Spaß beim Schreiben. Wie wäre denn zum Beispiel mal eine Reportage oder eine Kolumne des Schichtleiters in Ludwigsfelde bei Berlin. Klar, die bauen da nur den Sprinter. Aber hallo? Nur? Falscher Ansatz! Die bauen da DEN SPRINTER! WOW!

Ihr merkt schon. Das Thema Unternehmens-Blogging treibt mich um. Doch dazu an anderer Stelle hoffentlich bald mehr.

Der „Mercedes-Benz-Passion-Blog“ ist – bei aller Kritik – sehr gelungen! In jedem Fall ein Muss für Freunde des Sterns. Aber auch eine herzliche Empfehlung an Jeden, der sich vielleicht nur am Rande für Autos interessiert.

Zum Mercedes Benz Passion Blog

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Nachtrag:

Meine Annahme, dass der Blog „Mercedes Benz Passion Blog“ ein offizieller Unternehmensblog des Stuttgarter Autoherstellers wäre, ist nicht richtig. Bei diesem Blog handelt es sich um einen Blog „externen“ Enthusiasten.

Der offizielle Unternehmensblog ist unter blog.daimler.de zu finden. Auch dieser Blog wird zeitnah einer BlogKritik unterzogen werden.

9 Gedanken zu „#BlogKritik: Mercedes Benz Passion

  1. Martin

    Deine Annahme das es sich bei Mb passion um einen Unternehmensblog handelt ist in sofern richtig als dass die Autoren die Informationen 1:1 von zum Teil internen Daimler Publikationen übernehmen.(müssen???)

    Es drängt sich beim Lesen der Artikel oft der Verdacht auf dass es sich um Mitarbeiter des Konzerns handelt oder zumindest um Personen die dem Konzern so eng verbunden sind das sie für Daimler gut Wetter machen wollen.

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    1. Claus Artikelautor

      Die Vermutung hatte ich auch. Aber da fehlt mir zu sehr der Einblick, um das stabil behaupten zu können.

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      1. Markus Jordan

        Nein, wir sind keine Mitarbeiter im Konzern der Daimler AG – wenn es so rüberkommt …. ist das ein Irrtum. Ganz klar: Wir lieben den Stern,… – aber die Brille dafür nehmender auch mal ab… Beispiele: Artikel über Rost an der B Klasse oder Probleme mit den OM651 Motor, die sehr viel Zuspruch bekamen. Einzelprobleme beleuchten wir jedoch nicht.

        Wir bekommen von Daimler keinen Cent, und dürfen auch machen, was wir wollen. Kommentare werden nicht zensiert o.ä.

        Ein „müssen“ gibt es nicht. Das Projekt von uns wird lediglich servermässig von Mercedes Benz Classic unterstützt, was wir auch offen kommunizieren. Wir sind vom Konzern als Pressemedium eingestuft und werden genauso behandelt. Selbstverständlich übernehmen wir auch Presseinfos, sonst könnten wir vieles zeitlich gar nicht bringen – wir machen auch noch was anderes…:-)

        Ansonsten,…..kann man den Rest per Mail oder per Telefon klären…. – überhaupt kein Thema.

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  2. Markus Jordan

    Aber „Hallo“ erstmal – gelesen und Danke für die Kritik, – nehme ich gerne mit. Die Punkte nehme ich auf alle Fälle mit, – die „ich“-Perspektive haben wir im Grunde nicht…-stimmt. die Quartalszahlen freuen aber einige Aktien-Besitzer…

    Mehr „Leben“ versuchen wir, reinzubringen – was aber auch zeitlich viel beansprucht. Den „Witz“ haben wir meist nur im Kommentar, – im Artikel weniger… – schwierig, den Sprung zwischen Niveau und Laberei zu halten….aber im Grunde stimmt das schon.

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