Von Speck und Prüfungen – CDU-Parteitag 2012

CDU-LogoMit knapp 98 % der Stimmen hat der 25. Parteitag der CDU Deutschlands Angela Merkel im Amt der Parteivorsitzenden bestätigt. Ein Rekordergebnis. Unter den Journalisten kursiert wahrscheinlich schon wieder das Wort vom „Kanzlerinnenwahlverein“. Doch das greift zu kurz.

Neben aller Kritik und thematischen Auseinandersetzungen gelingt es der Bundeskanzlerin, die CDU zusammenzuhalten. Allen Unken-Rufen zum Trotz gibt es in der Partei keine ernstzunehmende Kritik oder gar Wechselstimmung. Hier und da gibt es Kreise und Grüppchen die meckern und stänkern. Konstruktiv sind sie nicht.


Natürlich kann man der Parteivorsitzenden Angela Merkel einige Dinge vorwerfen. Ob sie daran schuld ist, steht auf einem anderen Blatt. Von der Wunschkoalition mit der FDP bleibt ein Satz, den die Kanzlerin heute zitiert hat: „Gott hat die FDP geschaffen, um uns zu prüfen.“ Von ihr kommt das Statement ursprünglich natürlich nicht, aber sie hat es in den Mund genommen.

Von Alibi-Werten zu neuen Geschichten

Die alten Wahrheiten des CDU-Stammtisches wollen nicht mehr stimmen. Atomkraft, Wehrpflicht und das Schulsystem sind aus dem ideologischen Keller gespült worden und taugen nicht mehr als Alibi-Werte für geschundene konservative Seelen. Wir sind heute gezwungen, unsere Ideen und Werte aktiv zu diskutieren. Was ist Freiheit? Wie definieren wir Familie? Was heißt Verantwortung?

Mehr denn je braucht die CDU heute und für die kommenden Jahre eine neue Geschichte. Eine Geschichte, die aus der Partei kommt und die sie erzählen kann. Haushaltskonsolidierung und Euro-Rettung sind ehrenvolle und wichtige Aufgaben. Zur emotionalen Integration von Parteimitgliedern und potentiellen Wählern taugen sie aber nicht.

Türen auf – Ideen rein

Ich plädiere für eine Kultur der Offenheit. Wir müssen lernen, dass ein offen eingestandenes Problem manchmal mehr Verständnis hervorbringt als das Ausblenden von Widersprüchen. Wir müssen uns mehr Zeit nehmen. Und das sowohl beim Reden wie auch beim Zuhören. Denn gute Ideen brauchen zum Wachsen vor allem eins: Zeit.

Doch leider gibt es zwischen der Politik und den Bürgerinnen und Bürgern eine Kluft. Diese Kluft ist aber nicht in erster Linie inhaltlich, sie manifestiert sich vielmehr in einem Verständniswiderspruch. Während der Bürger völlig selbstverständlich davon ausgeht, dass sein individuelles Problem allgemeingültig ist, fühlt sich der Politiker zu oft missverstanden, weil seitens der Bürger kein Verständnis für die Komplexität politischer Entscheidungen existiert. Erst wenn diese Widersprüche aufgehoben sind, werden wir auf Augenhöhe über Themen streiten können.

In diesem Sinne und mit den Worten von Angela Merkel: Ran an den Speck.

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