Mehr Kontrollverlust wagen – Ein BarCamp beim Parteitag

Wer einmal den Parteitag einer der großen Parteien miterlebt hat, weiß welche Hürde ein geplanter Kontrollverlust für diese Struktur darstellt. Monatelang arbeiten die Mitarbeiter der entsprechenden Parteigeschäftsstelle genau daran, das Risiko eines solchen Verlustes der Kontrolle so niedrig wie möglich zu halten. Das sei ihnen unbenommen. Doch Struktur und Inhalt können bei einem Parteitag ohne Probleme getrennte Wege gehen. Ein Kontrollverlust ist möglich.

Es ist an der Parteispitze, im festen organisatorischen Rahmen des höchsten Gremiums der Partei freie Elemente einzurichten, die dann viele Effekte auf die Stimmung eines solchen Parteitags haben können. Mein Vorschlag ist ein BarCamp, also eine offene Diskussion zu Themen, die sich der Parteitag selbst gibt. Es werden keine Leitanträge diskutiert, nein es wird spontan debattiert. Alles was man braucht, ist einen Zeitraum X, einen Moderator Y und eine Motivation Z.

Der Zeitraum X:

Die jährlichen Parteitage der im Bundestag vertretenen Parteien sind im Schnitt 1,5 bis 2,5 Tage lang. In diesem Zeitraum sollte ein Raum von mindestens 4 Stunden gefunden werden, der für das BarCamp freigehalten wird. Da viele Parteien am ersten Tag ihre Gremien wählen und den wichtigsten Leitantrag diskutieren, wäre der Morgen des Folgetages gut geeignet.

Der Moderator Y:

Hier ist eher ein Moderationsteam notwendig, das nicht nur moderiert sondern auch animiert und aktiv steuert. Handmikro, freie Rede und Laufbereitschaft sind Grundvoraussetzung. Ein“ normaler“ Tagungspräsident reicht da nicht.

Die Motivation Z:

Jedes Parteimitglied kann mitmachen. Für die Zeit des BarCamps wird das Delegiertenprinzip ausgesetzt und jedes beim Parteitag angemeldete Mitglied hat die Möglichkeit, mit Stimme und Wortbeitrag am BarCamp teilzunehmen. Pflicht zur Teilnahme besteht bei den Mitgliedern des Präsidiums. Doch diese sitzen im Verlauf des BarCamps nicht auf der Bühne sondern in den vorderen Reihen des Plenums. So wird eine gleichberechtigte Diskussionssituation geschaffen.

Wie geht das?

Das BarCamp legt durch offene Abstimmung zu Beginn seine Themen fest und bestimmt den Zeitraum, der für die gewählten Themen verwendet wird. Die Moderation tritt hier beratend auf. Rederecht hat jedes stimmberechtigte und angemeldete Parteimitglied. Interventionsrecht hat die Moderation, der/die Parteivorsitzende und der/die Generalsekretär/in oder ein von ihnen benannter Vertreter.

Ziel des BarCamps ist ein offener Meinungsaustausch ohne Rednerliste und Proporz. Das Moderationsteam entscheidet, wer als nächstes spricht. Wortmeldungen werden mittels Kartenzeichen angezeigt.

Viel mehr braucht es nicht. Jetzt käme es auf einen Versuch an. Wer will?

Ein Gedanke zu „Mehr Kontrollverlust wagen – Ein BarCamp beim Parteitag

  1. Pingback: Parteitagsblog: Neues Plädoyer fürs BarCamp | kritikkultur.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert