Ein dreifach Tusch für Küppersbusch

Es gibt sie doch noch. Die innovativen TV-Formate. Und das gerade im Vorfeld der Bundestagswahl. Manche sind vielleicht eher verstörend, wie zum Beispiel die Versuche einiger Privater, beim jugendlichen Nichtwähler einen Fuß in die Tür zu bekommen. Doch es gibt auch regelrechte Perlen. Mein Favorit: Der „Tagesschaum“ vom WDR.

Screenshot Tagesschaum

Mehrmals in der Woche kommt Friedrich Küppersbusch, der Hans Dampf des deutschen Fernsehgeschäfts, in unsere Wohnzimmer, auf ihre mobilen Endgeräte oder wo auch immer Sie in dieses Internet eintauchen. Der Titel des Formats „Tagesschaum“ macht sofort klar, worum es geht: Ein satirischer Blick auf den 12. 38. oder auch 74. Tag vor der Bundestagswahl.

Mit schnellen Schnitten, bissigen Kommentaren und allerlei grafischen Sperenzchen rattert Küppersbusch einmal quer durch die Nachrichtenlage des Tages. Von der Wahlarena am Vorabend über den Syrien-Konflikt bis zu mehr oder minder geglückten Kampagnen von Parteien, Verbänden und was auch immer, wird alles auf den Leuchttisch der Satire gezerrt, was nicht schnell genug aus dem Netz gelöscht wurde.

Hier mal exemplarisch der Tagesschaum vom 5. September:

Guckt man also genau hin, stellt man schnell fest: Es geht nicht nur um Politik oder um die Bundestagswahl. Friedrich Küppersbusch meißelt – mittlerweile sogar viermal in der Woche – in je knapp 13 Minuten seinen Anspruch auf einen Sendeplatz in der vorderen Reihe auf die flache Mattscheibe. Und das über den 22. September hinaus. Obacht „heute-show“ – im satirischen Olymp der Öffentlichen beginnt das Stühlerücken!

Küppersbusch sendet piratig aus der Besenkammer des WDR und zelebriert sich dabei in beeindruckender Manier als Hohlspiegel des politischen Tagesgeschäfts. Den inhaltlichen Kontrollverlust gibt es inklusive. Und nach jeder Sendung werden die besten Sequenzen in viralfähige Stückwerk zerlegt. Muss der YouTuber das halt nicht selber machen.

Wenn Stefan Raab politisch wäre, könnte man den „Tagesschaum“ glatt als Intro vor dessen allabendliche Selbstreflexion namens „TV-Total“ pappen. Da Raab das aber abseits des TV-Duells nicht ist, bleibt zu hoffen, dass der Tagesschaum den 22. September überlebt, vielleicht die Sendeanstalt wechselt aber dann in hübscher Regelmäßigkeit zur Verfügung steht.

Vielleicht sogar – verrückte Idee – kurz vor 20:00 Uhr ein „Tagesschaum in 100 Sekunden“. „Wissen vor Acht“ kann man doch auch am Morgen ausstrahlen.

p.s. Die ganze Tagesschaum-Party gibts zum nachgucken auf YouTube.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.