Troll trollt gegen Trolle – toll!

Das war er nun. Der erste Tag des PolitCamps 2012. Viele bekannte Gesichter schlenderten durch die vertrauten Wege des Radialsystems an der Spree. Die Aufgeregtheit des ersten Camps ist lange weg, der Platzmangel und die technische Unterversorgtheit auch. Doch das ist eher gut als schlecht.

PolitiCamp 2012 Schriftzug

Wir sind alle wieder etwas älter geworden. Älter an Jahren, an Erfahrungen und vor allem älter an mehr oder minder netzpolitischen Diskussionsforen. Vorbei die Zeit, in der BarCamps wie das PolitCamp herbeigesehnt wurden, wo wir jede Diskussion zu Datenschutz und Transparenz aufgesogen haben wie ein Schwamm.

Im Jahr 2012 besteht gerade in Berlin die Kunst viel mehr darin, mal eine Woche ohne netzpolitisches Schaulaufen, Herum-Gerante und #eidg-AG zu überstehen. Ich übertreibe ein wenig, aber das ist gewollt. Denn wir leben nicht mehr im Jahr 2009. Niemand muss mehr davon überzeugt werden, dass netzpolitische Themen eine Relevanz besitzen. Ja es ist sogar schon so weit, dass solche Veranstaltungen ohne Sascha Lobo oder Markus Beckedahl auskommen. Wer hätte das gedacht.

Wir sind erwachsen geworden. So what?

Der Tag begann fast ein bisschen gemächlich. Peter Schaar – früher irrtümlich als Ausgeburt des Bösen verdammt – rennt zwar immer noch gegen die eine oder andere Wand, ist aber mit und durch die Netzpolitik auch auf seine alten Tage noch ein Stück schlauer geworden. Beim Thema Leistungsschutzrecht wird es emotional und ein bisschen heftig, doch im Gegensatz zu früheren Tagen, kommt der (vermeintliche) Teufel heute und lässt sich grillen.

Stellt Euch vor, Ursula von der Leyen hätte sich 2009 aufs Panel gesetzt? Gäb es dann die Piraten heute überhaupt in der Stärke? Aber das ist ein anderes Thema.

Dann wurde es trollig. Das Mikro wanderte durch den großen Saal und suchte verzweifelt eine Antwort auf die Frage, wie man denn nun als Facebook-Fanseiten-Admin oder Unternehmens-Social-Media-Heini mit dieser Trollerei umgehen soll? Löschen, ignorieren oder doch – alle Kraft gesammelt – reagieren? Für mich blieb die Frage offen. Letztlich ist es eine situative Entscheidung. Kannst und willst Du was gewinnen, wenn Du dich auf den Troll einlässt? Entscheide und handele. Punkt.

Dass der Troll vom „vorwärts“ am liebsten selbst trollt, um die Trolle der Trollerei wegen in Schwung zu halten, überrascht eigentlich wenig, bleibt dann aber auch nur ein kurzes Gelächter.

Meine Session zum BarCamp beim Parteitag hat mir anschließend richtig Spaß gemacht. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es so lebhaft und bunt wird. Über Parteigrenzen hinweg strömten Anregungen, Zuspruch aber auch konstruktive Kritik auf mich ein. Danke dafür! Ich hoffe, die Debatte ist damit nicht beendet.

Zum guten Schluss ging es dann nochmal um Transparenz. Muss auch sein. Aber ich habe den Eindruck, dass es fast kein netzpolitisches Themenfeld gibt, auf dem die Fronten so verhärtet sind. Auf der einen Seite die Vertreter der reinen Lehre, die sich bei Ausblendung von ganz viel Realität fast schon in einen Rausch hinein steigern und auf der anderen Seite die diffuse Masse aus Besitzstandswahrern und Bedenkenträgern. Das ich eher zur letzten Gruppe gehöre, ist kein Geheimnis. Zufrieden bin ich damit aber am allerwenigsten.

Was bleibt vom ersten Tag?

Mir gefällt die Diskussionskultur, die auf dem PolitCamp 2012 herrscht. Es ist in weiten Strecken gänzlich unaufgeregt und die aggressiven Störfaktoren kennen wir mittlerweile auch. Also kein Problem. Wenn morgen noch ein paar Leute kämen wäre das schön, wenn nicht habt ihr Pech gehabt. Ich muss mich nicht an Bars, in Treppenhäusern und bei jedem Panel durch Menschenmassen quetschen. Ich hab es gern luftig.

Dann machen nämlich auch die Gespräche zwischendurch mehr Freude.

5 Gedanken zu „Troll trollt gegen Trolle – toll!

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  3. Pingback: So war das PolitCamp 2012 » Hansjörg Schmidt (SPD Bürgerschaftsabgeordneter Hamburg Horn)

  4. Karsten Wenzlaff

    Nur als Hinweis: ich habe im Plenum gesagt, dass es MANCHMAL sinnvoll ist, Trolle zurückzutrollen und dass dann auf jeden Fall besser ist, als Trolle einfach zu löschen oder zu ignorieren, weil man aus vielen Trollen mit etwas Geduld und Verständnis gute Kommentatoren, teilweise sogar gute Autoren machen kann. Das kann dazu führen, dass man die Diskussionskultur auf der Seite (also z.B. beim vorwärts) voranbringt, die Reichweite erhöht, aber einfach jedem Leser die Chance gibt, etwas beizutragen. Dazu gehört die Qualität des guten Zuhörens, und das hilft auch beim Bloggen 😉 Bitte das nächste Mal korrekt zitieren ,-)

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  5. OLGR

    Guter Beitrag. Ich habe den Tag ähnlich in Erinnerung. Nur das ich als Neuling natürlich nicht jeden kannte und deshalb häufig mehr zugehört als geredet habe.
    Gerade zum Thema „Transparenz“ ist mir sehr deutlich klar geworden, wie verhärtet die Fronten sind. Funny. Aber das liegt wohl auch am Status-, Besitz- und Machtdenken einiger der Wortführer. Andere führen sachlichere Argumente ins Feld, aber ich habe keinen gehört, der sich inhaltlich auf die Argumente der Gegenseite eingelassen hat. Zumindest nicht deutlich.

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