Facebook: Privatsphäre muss man selber machen!

Die aktuelle Debatte um Facebook zeigt sehr deutlich, wo immernoch ein entscheidendes Problem unserer Mediennutzung dieser Tage liegt. Wenn wir mit der rechten Hand die Maus rotieren lassen, während wir mir mit der linken Hand den Taktstock zum hohen Lied auf unsere streng geschützte Privatsphäre erheben, zeigt sich an dieser Stelle, dass wir die sozialen Medien immer noch nicht richtig verstanden haben.

Man kann bei Facebook nicht einfach die Tür schließen und die Rollläden herunter lassen, denn das widerspricht dem Sinn dieses Netzwerkes. Wenn jeder die Tür zuwirft, was sollen wir anderen dann noch da? Hat ja keinen Mehrwert mehr. Es gibt nix zu gucken. Der Erfolg von Facebook und ähnlichen Medien ist darin begründet, dass die Privatsphäre veröffentlicht wird. Wie weit das geschieht, liegt zu einem Großteil im Ermessen der Nutzer. Doch die sind sich dessen nur selten bewusst.

Wir stellen unsere Musikvorlieben ein, verlinken die gelesenen Artikel bei SPON und fotografieren das leckere Essen am sonntäglichen Mittagstisch, weil der Schweinebraten nirgends so gut schmeckt, wie bei Oma. Dann posten wir Bilder von der Hochzeit eines Freundes, dem eigenen Kind und dem kaputten Auto, nachdem ein naher Bekannter einen Fahrfehler gemacht hat.

Einzeln ist das alles nix besonderes. Wenn wir aber unser Profil mit all diesen Informationen für jeden öffentlich sichtbar machen, kann jeder Leser seine eigenen Schlüsse ziehen. Die nächste Autoversicherung wird vielleicht teurer, der Kommentar zum SPON-Artikel entspricht eventuell nicht der Position des Arbeitgebers und Freunde kommen lieber nicht mehr zum Essen, weil „wir nicht so gut wie Oma kochen können.“

Das klingt banal, ist es aber nicht. Genauso wenig wie es banal klingt, dass Facebook mit den von uns bereitgestellten Informationen Geld verdienen kann und will. Das haben wir so nicht gewollt – aber den Haken unter die AGBs haben wir trotzdem gemacht. Da steht doch nie was Wichtiges drin. Oder? Aber wie verdienen die denn da Geld. Wir zahlen doch nix…

Ah haaaaa!

Die Währung heißt Information. Wir geben Informationen, Facebook bewertet diese und gibt sie weiter. Daraufhin bekommen wir wieder Informationen und handeln vielleicht danach. Wir lesen den vorgeschlagenen Artikel. Wir schauen uns auch mal das neue Pad an und – naja – vielleicht kaufen wir auch mal ein Album, weil Freunde die Musik verlinkt haben. Das soll ja vorkommen.

Wer soll uns nun schützen? Offensichtlich müssen das die Datenschützer tun, weil wir, die Nutzer, ein „dummes Schaf“ sind, dass „umfassend geschützt“ werden müsse. Zum einen vor uns selbst und – natürlich – vor bösen Unternehmen, die uns mit ihren hinterlistigen Geschäftsideen das Leben schwer machen. Das zumindest sagt Sascha Lobo. Aber natürlich mit zwei ganz hoch gezogenen Augenbrauen.

Oder ist es vielleicht viel mehr anders herum und wir sollten endlich den Kopf einschalten und mal wieder hinterfragen was uns umgibt. Wir zahlen nichts für Facebook aber Mark Zuckerberg ist mehrfacher Millionär? Wenn das Geld nicht von uns kommt, vom wem dann? Haben Sie eine Idee? Wir sollten auch endlich nicht mehr andere dafür verantwortlich machen, dass sie die Informationen nutzen, die wir ihnen täglich vor die Füße werfen.

Facebook hat bei mir eines geschafft. Ich lese jetzt AGBs bevor ich sie bestätige. Also liebe Leute: Erst denken dann klicken!

10 Gedanken zu „Facebook: Privatsphäre muss man selber machen!

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