Die „Kulturkapuze“ des Günter Grass

Screenshot von Headline auf SPONEine schöne Welle hat er da wieder geschlagen. Das kann er halt. Der Günter. Dass leise Töne bei ihm nur bedingt möglich sind, durften wir in den letzten Jahren oft genug verfolgen. Nun also wieder.

Jetzt bricht das Gewitter über ihn hinein. Alle feuern auf den Nobelpreisträger aus Lübeck. Die eine so und andere anders. Sei ess drum. Inhaltlich möchte ich mich an dieser Debatte nicht beteiligen. Nur zum Thema Kultur und Politik möchte ich zwei Beträge hinweisen, die ich erwähnenswert finde.

Als ersten Hans-Ulrich Jörges vom Stern, der auf radioeins – ganz dem Mainstream folgend – sehr scharf kommentierte. Kurz gesagt: Es ist kein Gedicht über Israel und den Iran, sondern ein Werk über Günter Grass. Es zeugt nämlich, so Jörges, von „grotesker, eitler Selbstüberschätzung“. Aber lieber selbst nachhören.

Aufgefallen ist mir dann noch die Kolumne von Jan Fleischhauer auf SPIEGELonline. Ohne viel Herumgerede hier das Zitat:

„Das Spiel mit der Kulturkapuze betreibt Günter Grass schon seit 50 Jahren. Wo immer er die Gelegenheit sah, sich mit erhobenem Zeigefinger politisch in Szene zu setzen, war er dabei – gegen das Böse […] und für alles Gute und Wahre […]. Dabei brachte es Grass zu einer wahren Meisterschaft in der Kunst, mit großem Aplomb Türen aufzustoßen, die längst sperrangelweit offen standen.“

Was bleibt nun nach der Aufregung, die begonnen hat und – wie Harald Schmidt so schön sagte – jetzt durch alle Talkshows wandern wird, am Ende übrig? Neben der schmidtschen Frage, ob es eigentlich genügend Gedichteschreiber gäbe für die ganzen Talkshows.

Günter Grass hat es mal wieder geschafft. Er kann es noch. Und sei es nur, dass er eine Welle macht. Je größer desto besser.

Glückwunsch und frohe Ostern.

3 Gedanken zu “Die „Kulturkapuze“ des Günter Grass

  1. Dank an unsere Mütter

    Mutter

    Eure Liebe mich gezeugt,
    im Schmerz geboren,
    mich an Dich gesäugt,
    schreiend, Dir in den Ohren.

    Der Vater, Vater sein muss,
    lag ich in Deinem Arm,
    mit Liebe, ohne Verdruss,
    mit jeder Sorge zu Dir kam.

    Ich ehre Euch das ganze Jahr,
    doch heute ist Dein Tag,
    besonders für Dich da,
    hör was ich Dir sag.

    „Nie kann ich geben,
    was Du gegeben hast.
    Gabst mir Deinen Segen,
    warst ohne Ruh und Rast.

    Danke Dir für Deine Geduld,
    für Liebe, zu Dir zurück,
    ewig in Deiner Schuld,
    wahre Liebe, Du bist mein Glück.“

    Frank Poschau
    09.05.12
    http://www.frank-poschau.jimdo.com

  2. Schneckenleben
    Gleite um die Welt,
    mit Haus, wies gefällt,
    ein Salatblatt,
    bin ich satt.

    Sinn nach Liebe,
    Schneckentriebe,
    schleime sie an,
    nicht wiederstehen kann.

    Gleitet sie aus,
    raus aus dem Haus,
    ohne Hast und Eil,
    auf ihr verweil.

    Tolles Schneckenleben,
    würde es die nicht geben,
    die pflanzten den Salat,
    gründete ich einen Staat.

    Wär dann Oberschleimer,
    von meinen Pappenheimer,
    schleimten alle vor mir,
    so das Schleimgetier.

    Frank Poschau
    13.04.12

  3. Zu Günter Grass seinem Gedicht,
    was haben wir Deutschen für ein Problem mit der Vergangenheit, was haben wir für ein Problem zu erkennen, dass auch andere Mörder waren und heute noch sind?
    Herr Grass macht sich nackt mit seinen Worten und hat mit jedem Wort recht. Wir dürfen hinter diesen Streitigkeiten nicht die Strippenzieher vergessen. Wenn Menschen die sich einig sind, dass es nur einen Gott gibt, aber blind ihren Glauben nachlaufen, um für sich Gott zu teilen und nur den Teil beanspruchen der ihnen genehm ist, dann möchte ich nicht Gott sein.
    Denn zu sehen, wie in meinem Namen gemordet, vergewaltigt und Ressourcen zerstört werden, um mich dann zu preisen, ist Gotteslästerung.
    Herr Grass hat zu seinem Lebensende den Mut sein Gewissen zu reinigen.
    Viele Verbrecher und Mörder seiner Zeit sind in die Politik der etablierten Parteien und Organisationen versickert. Die Unzufriedenheit kann sich braun, grün, rot, lila, schwarz äußern und wird immer den Unmut der bestehenden Politik zum Anlass haben.
    Wenn ich 1939 gelebt hätte, wäre ich der Versuchung des deutschen Anspruchs, sich dem Versailles Vertrag entgegenzustellen auch erlegen, um Stadthalter in Rom zu werden. Wir sollten nicht so tun, als wenn es keine „Hitler“ mehr geben würde. Jeder hat das Recht Diskussionen anzustoßen, wie es die Piraten jetzt auch tun.
    Wer Worte verbietet, fühlt sich meist ertappt, um mit dem Schwert (Presse) dem Sagenden zum Schweigen zu bringen, bevor die Masse den Wert der Worte erkennt.
    Frank Poschau
    09.04.12
    http://www.frank-poschau.jimdo.com

    Freiheit

    Welche Münder haben dieses Wort für sich beansprucht,
    in welcher Sprache wurde es noch nicht für sich erklärt?
    Welche Religion, welcher Glaube hält nicht die Waffen hoch,
    für die Freiheit, die man nur für sich begehrt?

    Wir atmen den gleichen Sauerstoff,
    wir essen die gleichen Speisen.
    Wir sehen verschiedenfarbig gleich aus
    und legen den Andersdenkenden in Eisen.

    Wir bauen Mauern, um unsere Freiheit zu bewahren,
    wir werden eingemauert, um ihre Freiheit zu schützen.
    Wir glauben an einen Gott, mit verschiedenen Namen,
    wem soll diese Freiheit was nützen.

    Wir schmettern die Neunte, vergehen uns an die Ode,
    „Brüder“ schmettert der Chor in allen Sprachen.
    Große Trommeln ersetzt durch Kanonengroll,
    „Brüder“, wo Schwüre brachen.

    Wir vertragen uns der Verträge wegen,
    schwören auf Wachstum jeglicher Art.
    Papier ist geduldig der Tinte nicht Wert,
    wir suchen immer überall Vorteile, ohne friedlichen Rat.

    Summen die Neunte mit blutiger Hand,
    stellen uns den Freunden, die uns morgen morden.
    Ihre „Freiheit“ haben wir nicht erkannt,
    laufen mit geschwellter Brust, geschmückt mit Orden.

    Am Anfang es sagen zu dürfen,
    am Ende auf gleicher Höhe stehen.
    Umsetzen zur Freiheit des Anderen,
    beim Auseinandergehen, Freude auf ein Wiedersehen.

    Vögel fliegen um die ganze Welt,
    wir werden gestoppt für ein falsches Wort.
    Vernichten, was wir zum Leben brauchen,
    um zu wissen, es gibt keinen anderen Ort.

    Frank Poschau
    01.06.11

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