Gottschalk live – Ein Ritt auf der Kanonenkugel

Heute lief die erste Sendung von Gottschalk live. Um dieses in Teilen recht unkoordinierte Feuerwerk der Mediengeschichte aufzuarbeiten, hangele ich mich der Einfachheit halber mal an meinen Tweets entlang, die ich während der Übertragung von mir gegeben habe.

Es ging bei mir sehr hoffnungsfroh los:

Ich hoffe ja ein bissel, dass @GottschalkLive mit Kraft eine Tür aufstößt und das Vorabendprogramm ENDLICH verändert. Zeit wirds. #ARD (@kritikkultur)

Die Sendung startete. Es gibt keine großen Kunstpausen. Tommy rattert seine Anfangsnervosität in einem enormen Tempo runter, erzählt von Nicolas Cage und streift auch die Causa Heidi – die hat sich gerade von Seal getrennt. Plötzlich gehts um einen vermeintlichen Cousin des etwas sehr hibbeligen Moderators, den irgendeine Boulevard-Postille ausgegraben bzw. zusammengefrickelt hat.

Dann BRUCH. Tommy steht auf und geht nach nebenan. Da sitzt die Redaktion. Lauter Berliner Hipster. Es kommt ein schlechter Gutti-Scherz und – Gott sei Dank ist Tommy berechenbar – steuerte der große Blonde auf die zierliche Caro zu. Sie ist seine Social-Media-Muse:

Schaue an @GottschalkLive: „Caro ist gleich Social-Media“ Es gibt Themen, Umfragen und und und… Man man man. Tolle Sache. (@kritikkultur)

Plötzlich gehts um eine furchtbar hässliche Krawatte, die angeblich schon einmal an jedem männlichen Hals der ARD gebaumelt ist. Jetzt soll man mitmachen. Man kann gewinnen. Die Krawatte. Nun ja. Ach egal:

Ich will Jauchs Krawatte, weil das Muster schon mal gar nicht geht! @GottschalkLive (@kritikkultur)

Tommy geht zurück zu seinem Tisch – der mit dem Gendarmenmarkt im Hintergrund – und klärt mal fix, dass er für den ganzen Boulevard-Quatsch, den er so nebenbei abfeiert, keine Promi-Experten bei sich haben wird. Er ist ja da. Er kennt Sie alle. Und besser:

Yeah! Der Promiexperte ist schon da. Es kommt kein von und zu der in München lebt 🙂 #GottschalkLIVE #ARD (@kritikkultur)

Jetzt kommt der Bildungsauftrag. Glaube ich. Das Sprachtempo wird schneller. Man hat als Zuschauer immer mehr Probleme, der Sendung zu folgen. Tommy will demnächst auch Social Media erklären. Hmmm. Ich bin irritiert. Aber hey. Mich beschleicht der Verdacht, dass das klappen könnte. Wenns Tommy versteht, dann auch der Rest der Republik:

Ich wage ne These: In zwei Wochen wissen meine Mutter, meine Oma und alle Onkels und Tanten was Twitter ist und wie es funzt #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Jetzt wieder ein Bruch. Der Gast kommt. Es ist Bully Herbig. Er wird angesagt und – oh ha – es wird geklatscht. Aber hä? Es ist doch eigentlich kein Publikum da? Oh. Ah. Die Hipster klatschen:

Wer klatscht? Die Redaktion. Immerhin! #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Jetzt kommen ein paar verunfallte Gags mit Bully, ein bischen verbales Geplänkel und  ich komme endlich dazu, die Twittersuche zur Sendung (#GottschalkLIVE) zu begutachten:

Schön auf Twitter ist, dass wieder alle nur meckern… Was habt ihr denn erwartet? Nichts. Also bleibt ruhig. #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Neben dem standartisierten Gemecker gibts auch Lob in der Timeline:

Ganz nettes Format. #Gottschalklive (Retweet von @Daniel_r_)

Für mich geht es jetzt noch mal um die furchtbar hässliche Krawatte. Keine Ahnung warum ich mich für sowas hergebe:

@GottschalkLive Ich brauch den Schlauch von Jauch, weil der so häßlich ist, dass er in Berlin wieder hip wird… ECHT #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Dann finde ich einen Mitleidstweet, den ich unterstreichen kann:

Ich bin erwartungslos an die Sendung gegangen und wurde nicht enttäuscht. Äußerst fad. Naja, auch #gottschalklive genießt Welpenschutz… (Retweet von @anantagarwala)

Doch nun geht es bergab. Mitten in Bullys Redefluss bricht langsam aber nervend ein Jingle hinein. Er wird lauter. Tommy guckt verwirrt und Bully redet weiter. Jetzt hopst scheinbar ein Hipster mit nem Schild hinter der Kamera herum, auf dem WERBUNG steht, denn plötzlich erinnert sich der Moderator wieder an den Ablauf:

Das mit den Werbeeinblendungen funktioniert noch nicht so richtig… Naja. Wird noch. #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Es folgte ein Werbespot. Dann wird wieder geredet. Plötzlich läuft das Jingle wieder los. Tommy und Bully gucken verstört. Bei Twitter fängt die Timeline an zu kochen. ES KOMMT SCHON WIEDER WERBUNG. Gefühlt eine Minute nach dem letzten Blöckchen. Oder etwa doch nicht:

Kommt jetzt wieder Werbung… Oder doch Wetter… Egal, diese Unterbrechungen nerven ungemein! #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Es kommt Werbung. Mehrere Spots. Dann das Wetter. Man könnte meinen „Gottschalk LIVE“ ist schon vorbei. Ist es aber nicht. Nur erneut unterbrochen. Bei Twitter geht es jetzt richtig los. Ich bleibe zwar positiv gestimmt, mache aber mit:

So ne zerhackte halbe Stunde kann schon ganz schön kurz sein… Schade schade. Bitte besser sortieren liebe #ARD #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Die Werbung und das Wetter dauern an. Ich werde dann mal auch kreativer und fasse die Sendung fix zusammen, bevor sie zuende ist:

Tommy – Redaktion – Tommy – CARO – Krawatte – Tommy – Bully – Werbung – Bully – Werbung – Bully – Werbung – Wetter… Schade #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Dann ist das Wetter vorbei. Die Uhr mit der Restzeit im Studio muss jetzt einen Meter groß sein. Man sieht Tommy an, dass ihm die Zeit verrinnt, er aber noch soviel machen wollte. Panik. Es ist ein bischen wie im Proseminar bei den Germanisten im 2. Semester. Der überambitionierte Jungstudent möchte in seinem Vortrag unbedingt alles zu Thomas Mann unterbringen – hat aber nur 30 Minuten. Das kann nicht gutgehen…

Bully ist verabschiedet. Es geht auf 20:00 Uhr zu. Der geneigte ARD-Zuschauer weiß, dass Anja Kohl jetzt bereits für die  „Pörse im Ersten“ schon mit den Füßen scharrt und trotzdem will Thomas Gottschalk – er ist halt knallhart – noch seine Ankündigungen für morgen in die Welt rauslassen. Die klingen angesichts des wahnwitzigen Tempos wie eine Drohung. Das muss auch bei mir sofort raus:

Oh Gott. Morgen kommen zwischen all der Werbung auch noch zwei Gäste und ein Eisbär… #GottschalkLIVE (@kritikkultur)

Nun ist es geschafft. Die Sendung ist vorbei. Der König des Überziehens – „Wetten dass“ war nie pünktlich zuende – hat nicht nur Anja Kohl ins schwitzen gebracht, sondern indirekt die heilige Kuh des deutschen Fernsehens herausgefordert. Man denke sich nur die Schlagzeile „Tagesschau wegen Gottschalk verspätet“. Dagegen ist das jährliche S-Bahn-Chaos nur ein Kindergeburtstag.

Luftholen. Runterkommen. Ich suche nach einem Resümee. Finde aber keins. Ich muss mich bei anderen bedienen:

So, Bilanz 1. Sendung. An sich nettes, lockeres & spontanes Format. Werbe-Zerstückelung nervt aber. #GottschalkLive #Puschen #JauchSchlauch (Retweet von @MarianBracht)

Hier gibt es die Sendung in der ARD-Mediathek.

Morgen geht es weiter.

Und wer diese Tweets so absurd, verrückt oder nur ein bischen interessant fand, kann mir auf Twitter direkt folgen. Ich bin da als @kritikkultur unterwegs.

2 Gedanken zu „Gottschalk live – Ein Ritt auf der Kanonenkugel

  1. Pingback: Knut nielsen | Seebaby

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.