Reden lassen! Jörg Thadeusz im Gespräch.

Es gibt nicht viele gute Talk-Shows im deutschen Fernsehen. Aber ein wöchentlicher Höhepunkt ist zweifelfrei  die Sendung Thadeusz im rbb. Denn hier kommt der Gast noch ins Reden. Es geht nicht um das Große und Ganze, sondern um den Menschen.

Jörg Thadeusz will sich nicht in den Mittelpunkt stellen, seine Persönlichkeit schafft das von selbst. Er ist das, was man einen guten Gastgeber nennt und schafft es zum Beispiel, Wolfgang Joop von der Leine zu lassen. Denn plötzlich sagt dieser Sätze, die ihn selbst überraschen.

So zum Beispiel: „Ich wäre gern ein guter Großvater.“ Plötzlich herrscht Stille im Studio und man meint kurz zu erkennen, dass der große Modemacher mit den Emotionen kämpft. Kurz zuvor ging es um seine malerischen Fähigkeiten und was diese für ihn bedeuten. Und dann der Satz: „In einsamen Stunden hatte ich immer einen Stift.“ Ein Satz zum über die Tür hängen. Oder auch: „Der echte Homosexuelle rasiert sich nicht mal mehr die Achseln. […] Er trägt Karo und plant die Familie.“

Und was macht der Moderator? Er hört zu. Er lacht. Er fragt. Und er ist ganz ehrlich interessiert. Zur Verlagerung des Gesprächs in eine Kneipe im Potsdamer Holländer Viertel fehlt eigentlich nur noch das Weinglas auf dem Tisch.

Großartig!

Wer könnte ein nächster guter Gast sein? Norbert Lammert vielleicht, der sich über die Talkshowkultur in Deutschland so wunderbar aufregte und damit mitten ins Schwarze traf. Das wäre mal was, oder Herr Thadeusz?

Aber nächste Woche kommt erstmal Frank Henkel. Nun gut.

Ein Gedanke zu „Reden lassen! Jörg Thadeusz im Gespräch.

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