ARD-Buffet, ZDF-Soko oder doch die Konstituierung des Bundestages?

Die Wahl vom 22. September hat uns ein neues Parlament beschert. Kein neues Gebäude – der Reichstag macht sich noch ganz gut – aber eine neue Zusammensetzung. Am Dienstag kommender Woche tritt dieser 18. Deutsche Bundestag nun zum ersten Mal zusammen. In der sogenannten Konstituierung werden neben einigen Formalien sowohl der Präsident als auch dessen Stellvertreter gewählt.

Aber die konstituierende Sitzung ist auch immer ein Ort, an dem der neu- oder auch wiedergewählte Präsident grundsätzliche Worte sagt und einen Status Quo der parlamentarischen Demokratie in unserem Land beschreibt. Jeder Bundestagspräsident hat das auf seine ganz eigene Weise und mit ganz unterschiedlicher Gewichtung getan.

In Erinnerung blieb mir ein Moment, in dem Norbert Lammert 2009 darauf verwies, wie es um die Berichterstattung einer solchen Konstituierung seitens der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten ARD und ZDF bestellt ist. Ich will das gar nicht lange beschreiben, sondern lasse jetzt Norbert Lammert selbst zu Wort kommen.

Nun sind vier Jahre ins Land gegangen und die in Rede stehenden TV-Sender haben viele große Augenblicke der Zeitgeschichte parallel und mit großem Aufwand übertragen. Daraus könnte man folgern, dass jetzt – vier Jahre nach der Lammert-Rede im Oktober 2009 – bei den Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ein Umdenken stattgefunden hat und zumindest die Wahl des Bundestagspräsidenten sowie die dessen Rede bei ARD und ZDF übertragen würde.

Doch weit gefehlt.

Wenn am kommenden Dienstag um 11:00 Uhr der Alterspräsident die Konstituierung des 18. Deutschen Bundestages eröffnet, wird das der Zuschauer von ARD und ZDF nicht mitbekommen. Denn im Ersten gibt es bis 13:00 Uhr das „ARD-Buffet“ mit so bewegenden Themen wie „Hautpflege im Herbst“ bevor Jörg Sackmann ein Orangenlikör-Parfait mit Gewürzquitte sowie Ochsenschwanzragout mit Ingwer und Kartoffelstroh zubereitet.

Parallel dazu wird im zweiten deutschen Fernsehen die „SOKO 5113“ unter dem Titel „Schlangenkuss“ ermitteln. Es wird dramatisch, denn Hauptkommissar Schickl und sein Team stoßen bei ihren Ermittlungen im Pharmazeutischen Institut auf eine Reihe von Verdächtigen. Soviel sei verraten: Ein Frau wird vergiftet.

Dass die Serie schon neun Jahre alt ist, wird die treue Zuschauergemeinde nicht stören. Verfolgt sie die spannenden Geschichten doch an FÜNF (!!!) Tagen in der Woche. Warum also mal eine Folge ausfallen lassen? Nur weil in Berlin der neue Bundestag zusammentritt…

Ohne viel herum zu reden, möchte ich an dieser Stelle noch einmal Norbert Lammert zitieren: „Ich (…) nenne diese Programmgestaltung ganz vorsichtig im wörtlichen Sinne bemerkenswert.“

NACHTRAG:

Auf Twitter wurde mir mitgeteilt, dass das ZDF die Konstituierung wohl doch überträgt. Mehr dazu hier

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